Züchten! Eine Frage nach dem Warum?

Viele Dinge im Leben passieren auf der Überholspur. Man hat Ziele, Träume und Wünsche, vielleicht auch eine kleine Bucket List im Kopf. Manche Punkte verschwinden irgendwann wieder. Andere begleiten einen über viele Jahre und warten darauf, dass ihre Zeit kommt.

Selbst zu züchten war für mich immer so ein Wunsch. Ich bin mit der Pferdezucht meines Vaters aufgewachsen. Dann habe ich ein Stadtkind geheiratet – und die Tiere mussten etwas kleiner werden. So bin ich beim Hund hängen geblieben. Der Wunsch zu züchten blieb.

Inzwischen sind die Kinder größer, der Job läuft, und der passende Hund an meiner Seite ist da. Irgendwann wurde aus „Das möchte ich einmal machen“ ein „Warum eigentlich nicht jetzt?“. Meine Tochter würde vermutlich einfach sagen: „Weil …!“ Eine erstaunlich kurze Begründung für ein ziemlich großes Vorhaben.

Aber auch „einfach machen“ kann bedeuten, etwas bewusst und verantwortungsvoll anzugehen. Man muss nicht jede Antwort kennen, bevor man den ersten Schritt macht. Man sollte allerdings bereit sein, sich den Fragen zu stellen.

Erst der Wunsch, dann die großen Fragen?

Was ist mein Ziel? Was möchte ich mit meiner Zucht bewirken? Welche Hunde möchte ich einmal an andere Menschen abgeben? Ganz ehrlich: Darüber habe ich mir erst später genauer Gedanken gemacht. Ob diese Reihenfolge gut oder schlecht ist? Das wird sich zeigen. Ich glaube, manchmal darf man seinem Bauchgefühl vertrauen. Die Verantwortung, die damit einhergeht, muss man trotzdem bewusst übernehmen .

Seit etwa 20 Jahren gehören Labradore zu meinem Leben. Einen Labrador aus Arbeitslinien führe ich allerdings erst seit fünf Jahren. Damit begann eine Reise, auf der ich mich manchmal noch immer ganz am Anfang fühle. Die Hunde sorgen zuverlässig dafür, dass dieses Gefühl nicht verloren geht.

Im Laufe unzähliger Trainings ist mir immer klarer geworden, welche Eigenschaften mir wichtig sind. Ich habe Hunde erlebt, die ein beeindruckendes Tempo vorlegen, dabei jedoch wenig Interesse an der Zusammenarbeit mit ihrem Menschen zeigen. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.

Was macht für mich einen wirklich guten Arbeitshund aus?

Ich wünsche mir Hunde, die Freude an ihrer Arbeit haben und die Zusammenarbeit mit ihrem Menschen suchen. Hunde, die ihre Fähigkeiten einbringen, sich aber auch führen lassen und dabei eine gewisse Gelassenheit mitbringen. Hunde, die selbstständig handeln und ihren Teil der Verantwortung im Team übernehmen können, wenn es darauf ankommt.

Als Züchterin möchte ich Hunde züchten, mit denen unterschiedliche Menschen ihre ganz persönlichen Träume leben können. Nicht jeder Hundeführer möchte ganz nach oben. Trotzdem darf jeder den Anspruch haben, einen guten Hund an seiner Seite zu führen: bei der Jagd, im Training, auf Prüfungen und im Alltag.

Dafür braucht ein Hund viele der Eigenschaften, die wir am Labrador schätzen: Arbeitsfreude, Apportierwillen, Nervenstärke und die Bereitschaft zur Arbeit. Und selbst die besten Anlagen brauchen Zeit, eine passende Ausbildung und eine faire Führung, um sich entfalten zu können.

Aus dem eigenen Traum wird Verantwortung für andere

In den ersten Gesprächen mit Welpeninteressenten bekommt der eigene Zuchtwunsch noch einmal eine andere Bedeutung. Man schaut in hoffnungsvolle Augen und spricht mit Menschen, die ihre eigenen Vorstellungen, Wünsche und Träume mitbringen.

Da geht es plötzlich um den zukünftigen Jagdbegleiter, um gemeinsame Prüfungen oder um einen Hund, mit dem jemand einen neuen Lebensabschnitt beginnen möchte. Ich weiß noch selber, wie ich mich damals gefühlt habe.

Das macht mir noch einmal deutlich, wie viel Verantwortung in diesem Vorhaben steckt. Ich kann niemandem versprechen, dass ein Welpe alle Erwartungen erfüllen wird. Aber ich möchte mit Bedacht die Voraussetzungen dafür schaffen, dass aus Hund und Mensch ein gutes Team werden kann und meine zukünftigen Welpenkäufer ihre eigenen schönen Geschichten erleben können.